Nehmen wir den Kampf auf gegen das Nichtverstehen und gegen die permanente Verunglimpfung milieuaffiner Aktivitäten und streiten wir für ein urbanes Leben im Leonhardsviertel mit einer guten Mischung aus Wohnen, Arbeiten uns sicheren Laufhäusern, netten Puffs und geachteten Prostituierten.
Suchen wir nach den richtigen

Stuttgarter
Befriedigungsstrategien

Ein Verbesserungskonzept hinterfragt von Holger Hommmel.

Wenn es so richtig schief läuft, kann man eigentlich immer davon ausgehen, dass die tieferen Ursachen für die Probleme beim Chef zu finden sind. Das gilt für das Rathaus genauso wie für den Himmel. Wie sagt der Volksmund so treffend? Der Fisch stinkt vom Kopf! Das wollen wir zwar gar so derb weder für den lieben Gott noch für unseren allseits hoch geachteten und respektierten Oberbürgermeister gelten lassen, aber in Stuttgart scheinen die Planungsfehler unseres Herrgotts bezüglich des Paradiesareals und die erschreckende Ohnmacht unseres Stuttgarter Oberbürgermeisters bezüglich der Gestaltung des Leonhardsviertels miteinander zusammen zu hängen. Hier liegen vielleicht wirklich die Wurzeln für all die Probleme rund um die Stuttgarter Altstadt!

Feststellen müssen wir zum Beispiel, dass dem lieben Gott mit der – ganz vorsichtig ausgedrückt – unvorteilhaften Bewohnerstruktur seines Paradiesareals ganz schön was daneben gegangen ist. Mal ganz ehrlich, Apfel hin, Schlange her, das konnte so ja nicht gutgehen. Da kommt man ins Paradies, ist splitterfasernackt, spürt schon mal ein Ziehen in den Lenden und das erste, was man erfährt, ist, was man alles nicht darf. Da wird aus dem Paradies schnell ein Gefängnis. Die Europäer erlernten dabei die Selbstbefriedigung und liefen Gefahr, dass ein ganzer Kontinent taub wird. Die Chinesen wiederum haben den Apfel hängen lassen und die Schlange gefressen. Belohnt wurden sie für diese mutige kulinarische Entscheidung mit einer freieren Sexualmoral. Gerüchten zu Folge gibt es im chinesischen Paradies jede Menge Bordelle und damit das so bleibt, gibt es auch immer noch viele Schlangenrestaurants.

Das ist jetzt ein bisschen blöd für die Schlangen, aber ziemlich vernünftig für das menschliche Libido. Der Mensch unterliegt nun mal einem Sexualtrieb, der eine mehr, der andere weniger und wenn ein Mann im besten Alter zu ihnen sagt, das wäre bei ihm nicht so, dann sollten sie einsame Waldspaziergänge mit ihm vermeiden. Die katholische Kirche plagt sich bis heute mit ihren unerträglichen Lügen und den schrecklichen Verbrechen rund um den zölibatären Wahnsinn. Und die große katholische Lüge ist nicht die einzige, die uns den Weg zu vernünftigen Entscheidungen für eine freie und selbstbestimmte Sexualität verstellt.

Halten wir noch einmal fest: Nur weil so eine blöde Kuh in den verbotenen Apfel beissen musste, wurden alle nachfolgenden Christen in Sippenhaft genommen, mit der bösen Sünde konfrontiert und mit einer unrealistischen und engstirnigen Sexualmoral belegt, die bis heute von Kirche und auch vom Staat mit Lügen und Verschweigen aufrecht erhalten wird. Hätte der liebe Gott das Paradies etwas freier und toleranter gestaltet, dann hätte der Oberbürgermeister nicht so viele Probleme mit dem Leonhardsviertel.

Nun hat das Rathaus ein Konzeptpapier vorgelegt, wie man die Situation der Prostituierten in Stuttgart verbessern will. „Geile Kiste“ mögen die sagen, die sich freuen, dass überhaupt etwas passiert und die Protagonisten von der anderen Seite der Konrad Adenauer Straße endlich mal aus der Deckung kommen. Sagen wir es etwas klarer! Dieses Papier ist leider: weltfremd, ahnungslos, lächerlich und vor allem – ja, das klingt jetzt sehr bitter – konzeptlos! Letzteres ist gerade bei einem Konzeptpapier ziemlich genau das, was man so gar nicht gebrauchen kann.

Nun muss man sich klar machen, wer die Personen sind, die für dieses Verbesserungskonzept hauptverantwortlich sind und dann muss man feststellen, dass dies alles Menschen sind, die wahrscheinlich noch nie im Puff waren und wenn doch, dann nur aus dienstlichen Gründen. Was noch nicht die Frage beantwortet, ob Frau oder Mann Prostituierte oder Bordellgänger gewesen sein müssen, um die Realität so gut zu kennen und zu wissen, was und wo man verbessern soll und kann.

Lassen wir diese heikle Frage aber doch erst einfach mal offen, denn wir dürfen da mit einer hoch emotionalen Diskussion rechnen.Wir denken nur für einen Miniaugenblick an einen Automechaniker, der seit Jahrzehnten Autos repariert, aber nie einen Führerschein hatte, nie eine Probefahrt machte und somit auch nie live erlebte, was nach so einer mit bestem Wissen durchgeführten Reparatur doch noch alles passieren kann. Da sieht man, der Führerschein macht schon Sinn für einen Automechaniker. die eigenhändige Überprüfung der getanen Arbeit bringt noch einmal Sicherheit. Die vor dem Hintergrund gemachter Erfahrungen von Huren und Freiern selbst gemachten Verbesserungsvorschläge sind sicherlich realistischer und lebensnäher als die von irgendwelchen Fraktionsvorsitzenden, die nie in einem Puff gewesen sind. Fraktionsvorsitzende mit intensiver Laufhausbiographie dürfen natürlich sofort mitschwätzen. Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass irgendjemand der Meinung sein könnte, dass die Oberbürgermeister und ihre Kolleginnen und Kollegen die Laufhäuser und die Kontakthöfe ihrer Wahlheimat abarbeiten müssten, nur um die sexuellen Bedürfnisstrukturen ihrer Wähler besser zu verstehen und zu erfahren, wie gut oder auch wie schlecht die Befriedigungsmöglichkeiten im Wahlkreis aussehen und ob man nicht mal ein „Konzept zur Verbesserung der Situation der schönen und guten Sex suchenden Freier in Stuttgart“ erarbeiten sollte. Eines dürfte feststehen und wird auch ernsthaft von niemandem angezweifelt: in keinem anderen Bereich unseres gesellschaftlichen Lebens wird so konstant gelogen, verschwiegen, betrogen und weggeschaut.

Der Sex und der Umgang damit und mit der Lust und dem Drang nach Befriedigung mündet in die große Lüge unserer Zeit und fast alle lügen mit, weil sie alle Angst vor den Konsequenzen der Wahrheit haben. Alle, die man nach dem Leonhardsviertel fragt, kennen das berühmte Rotlichtviertel und finden es interessant, toll, unverzichtbar, erhaltenswert, atmosphärisch stark, liebenswert, einfach großartig. Wenn man dann nachfragt und wissen will, was es denn genau ist, was das Stadtviertel so aufregend macht, dann sind das die „Balsamico-Nierla“ von der Weinstube Fröhlich, die „Fleischküchla“ vom Burhan und die Nudelsuppe vom „One“. Natürlich auch die legendäre Currywurst vom Brunnenwirt, wobei das Essen in der Wirtschaft erst so richtig gut ist. Das wissen wohl nur wenige. Mir soll es recht sein.

Noch weniger wissen anscheinend die meisten Männer, was sie sonst so machen, wenn sie satt sind und doch hungrig, wenn das Libido durch den Körper kriecht und es oben langsam weich wird. Auf die Frage nach wie auch immer gearteten sexuellen Aktivitäten mit Prostituierten lautet die hektische Antwort immer gleich: „Hanoi, des netta!“ und damit ist nicht die vietnamesische Hauptstadt gemeint. Keiner der Männer, die man so fragen kann, hatte jemals bezahlten Sex mit einer Prostituierten, im Leonhardsviertel nicht, im Dreifarbenhaus nicht und auch sonst nirgends. Niemand hat jemals eine sexuelle Dienstleistung in Anspruch genommen, die es den Kessel hinauf auch noch nobler und ganz oben dann ganz nobel gibt.

Wir fassen zusammen: Die Angebote werden immer mehr, man darf auch mit Fug und Recht behaupten, dass es in letzter Zeit eine unglaubliche Diversifikation der Dienstleistungen gibt. Wer das jetzt nicht versteht, schaut halt schnell im Lexikon nach. Es muss nicht immer Geschlechtsverkehr sein. Es werden alle Spielarten von sexuellen Aktivitäten angeboten, aber niemand geht hin. Auf jeden Fall sagen alle wie im Chor, dass sie niemals für Sex bezahlt hätten. Wie würde das Kaninchen mit der Karotte dazu sagen? „Da dimmt wat nich!“ Und zwar gewaltig. Nirgends wird so viel gelogen wie beim käuflichen Sex. Und gute Nacht, wenn man da nicht mitspielt.
Wenn man sich in Stuttgart umschaut und versucht, alle Aspekte rund um die käufliche Liebe zu analysieren, dann bemerkt man, dass sich die ganzen oberbürgermeisterlichen Sexstrategen und wohl auch der große Chef um die wirklich wichtigen und prägnanten Fragen herumdrücken und selbst bei den einfachen Fragen ist eine offene und ehrliche Antwort nicht erwünscht, vielmehr erwartet man von seinen züchtigen Bürgern moralisch einwandfreie Stellungnahmen, auch wenn man bei den Antworten die große Lüge heraushören kann.

Eine sehr persönliche Frage soll noch erlaubt sein: „Sind käufliche Liebe und bezahlter Sex eigentlich immer und in jeder Form zu verdammen?“ Bei der Lektüre des Rathauspapiers hat man den Eindruck, dass der Kunde schon einmal grundsätzlich etwas Verwerfliches tut und nur mit vielen Gesetzen und der Sittenpolizei in Schach gehalten werden kann. Es riecht nach Triebtätern und schmeckt nach Vergewaltigern. Wenn die zukünftige Arbeit zur Verbesserung der Lage unter der Prämisse startet, dass die einen gut und die anderen böse sind und man am liebsten alles abschaffen würde, was mit Sex und Geld zu tun hat, dann brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Eine Chance zur Verbesserung gibt es hier nur im Miteinander, nicht im Gegeneinander. Sex und alles, was dazu gehört, braucht Plätze und Gestaltungsspielräume. Die Geilheit sollte immer wissen, wo sie sich austoben darf. Und eines sollten sie ja wirklich alle gut können, die, die kommen um zu kommen und dafür zu bezahlen und die, die dafür Geld bekommen, dass man zu ihnen kommen darf um zu kommen. Das geht alles nur miteinander und das ist vielleicht die große Chance für uns alle.

Hoho

Januar 2015

Macabu & Four Roses

Zwei Clubs – ein Erlebnis.
Wer Junggesellenabschied feiert oder Geburtstag hat bekommt freien Eintritt sowie ein Freigetränk.
1950 hat Martha Butz dieses Striplokal eröffnet. Eine Frau, die zur resoluten Chefin in der Altstadt wurde – das war damals so ungewöhnlich wie der Name der Bar. MACABU? Klingt sehr exotisch, war es aber nicht. MACABU ist die Abkürzung für Maria und Carl Butz. Carl war der Mann der Chefin, der beruflich anderweitig beschäftigt war, weshalb er der Gattin bei den Strip-Geschäften nicht dreinredet. 
(Quelle: Uwe Bogen – Liebe, Tanz und Bretterbuden)
Macabu/FOUR ROSES
Leonhardsplatz 24
70182 Stuttgart
Tel : 0711 / 24 51 69

www.macabu.de

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