S'städtle - Die Altstadt in Stuttgart

"Obwohl das Meer und die Reeperbahn weit weg sind, bekam die Leonhardstraße in Stuttgart etwas von der Stimmung St. Paulis. Bodenständige Bäckereien und Metzgereien, Mostwirtschaften und Weinprobierstuben halten aber das Gegengewicht."

Nichts von dieser Beschreibung, erschienen 1956 im Stuttgarter Amtsblatt, trifft heute noch zu. Von Reeperbahn-Atmosphäre ist auf Stuttgarts "sündiger Meile" nicht mehr viel zu spüren. Der Charme - den ein solches Viertel haben kann - ist verkommen.

Nur wenige Straßen der Stuttgarter Altstadt vermitteln noch den Eindruck, wie die Stadt vor den letzten Kriegszerstörungen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Zwar sind auch verschiedene Baudenkmale erhalten; ein historisches Quartier mit den typischen Gassen ist jedoch nur in der Gegend um die Weber- und die benachbarte Richtstraße sowie in der Jakobstrasse zu finden.

Und dieses historische Quartier gilt es zu fördern und die Häuser vor dem weiteren Verfall zu schützen. Seit Ende des Krieges hat sich nichts getan. Das Gebiet zwischen Leonhardsplatz und Wilhelmsplatz, Katharinenstraße und Hauptstätterstraße befindet sich im Sperrbezirk. Ein Sperrbezirk ist ein Gebiet, in dem Prostitution verboten ist. Das ist eine Stuttgarter Besonderheit. In Stuttgart befinden sich die meisten der vorhandenen Prostitutionsobjekte im Sperrbezirk. In Hamburg ist im Gebiet St. Pauli bis 20 Uhr Sperrgebiet. Bei Tageslicht sollen die Touristen sich wohlfühlen, nachts gibt´s dann Unterhaltung jeglicher Art.

Am 27.03.2013 war in der BILD Zeitung zu lesen, dass Stuttgart eine "geile Meile"bekommen soll! Unser neuer Schuldes und seine Ressort-Leiter arbeiten gemeinsam an einem neuen Konzept für das Städtle. Ähnlich wie auf der Hamburger Reeperbahn könnte eine Mischung aus Diskotheken und Szene-Lokalen dafür sorgen, dass ein Vergnügungsviertel entsteht, in dem nicht mehr die Prostitution im Vordergrund steht.

Leider wurde der BILD Artikel auf der offiziellen Webseite der Stadt Stuttgart sofort zurückgewiesen.

Schade eigentlich. Endlich mal eine gute Idee!

Ein Vergnügungsviertel mit Kneipen, Bars, Kabarett, Tanz- Tabledance- und "sauberen" Sexy-Clubs, die den gewollten rechtlichen Vorgaben entsprechen müssen und nachhaltigen Kontrollen standhalten. Ein Viertel, das den Bedürfnissen nach Vergnügen aller Couleur entgegen kommt und möglicher rechtswidrigen und damit kriminellen Geschäftsgebaren keine Plattform geben kann. Hier wären die behördlichen Institutionen aufgefordert, die Vorgaben zu definieren und zu reglementieren. Die Einhaltung derer streng zu überprüfen und ggfs. abzustrafen.

Aber leider gibt es keine Hilfe von der Stadt. Seriöse Investoren werden von der Stadt völlig ignoriert und schikaniert. Die meisten von Ihnen geben nach einer gewissen Zeit auf und verkaufen wieder die Häuser.  

Anstatt mit den Hausbesitzern (wie oft angekündigt) Gespräche zu führen, verstecken sich die Vertreter der Stadt hinter Rechtsanwälten. Gelder, welche ursprünglich zur Sanierung und Renovierung vorgesehen waren, müssen für Rechtsanwälte ausgegeben werden. Es erweckt sich der Eindruck, dass die Stadt auf diesem Wege versucht, durch Druck auf die Hausbesitzer günstig die Häuser erwerben zu können.

Das Städtle ist in der Mitte unserer Landeshauptstadt - und wäre sicher auch mitten im Herzen vieler Stuttgarter, würden unsere Vertreter im Rathaus endlich mit dem Kudlmudl aufhören und ein klares Konzept für unsere erhaltene Altstadt erstellen.

 

städtle.de | Für ein liebenswertes Städtle in der Altstadt Stuttgart