Geschichte des Städtles - Die Stuttgarter Altstadt


Unter Graf Eberhard dem Milden erfolgte gleich nach 1393 die erste große Stadterweiterung um die Urleonhards-Kirche, seit 1475 Esslinger Vorstadt genannt.Hier lebten, wie der Historiker Harald Schukraft schreibt, "hauptsächlich Handwerker, wie Wagner, Gerber, Färber und Weingärtner, die die Nähe des Nesenbaches nutzten."

tl_files/Galerien/Tasso/Schellenturm.jpgDer Befestigungsring rund um die Stadt war übrigens erst kurz vor 1600 geschlossen worden; erst ab 1563 waren die einfachen Holzpalisaden der nördlichen Vorstadt durch eine Steinmauer ersetzt worden. Davon ist heute kaum mehr etwas erhalten; ein Prunkstück bleibt der Schellenturm im Bohnenviertel aus gerade jener Zeit um 1560. 

In der Weberstraße ist heute noch zu erkennen, wie eng damals gebaut wurde.

Die sanierungsbedürftigen Häuser im Städtle zeigen Spuren der Geschichte zwischen Leonhardsplatz und Wilhelmsplatz. Dazwischen liegen die Weberstraße, Richtstraße und die berüchtigte Leonhardstraße.

Doch wie kam es eigentlich zum heutigen Rotlicht im Städtle?

Der Weg führt uns über die vereinigten Geschichten vom Hüttenwerk (Quelle Uwe Bogen, Liebe Tanz und Bretterbuden)

Wer auf den alten Fotos die bunten Bretterbuden sieht, könnte sie für die Kulissen eines amerikanischen Roadmovies halten. Doch mitten in Stuttgart entstanden kuriose Baracken mit Rotstich und Rock´n´Roll. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Stadt ein Trümmerfeld, eine Ansammlung von Behelfsläden und Behelfswohnungen - und auch die Luden und Altstadtwirte wussten, wie man sich behilft. Ihre provisorischen Bauten, in der Ruinenwüste bei der Leonhardskirche schnell und unkompliziert wie bei einer Kirmes hochgezogen, gingen als "Vereinigte Hüttenwerke in die Stadtgeschichte ein. Noch Jahrzehnte nach Kriegsende konnten sie sich halten. Allenthalben drängten die Rathauschefs auf städtebauliche Ordnung, nur das lustige Treiben in den Amüsierstraßen hielt sehr lange allen Stürmen stand. Wer glaubt, hier habe der Mechanismus der schwäbischen Kehrwoche versagt, dürfte sich täuschen. Eine besondere Reinlichkeit wird den einstigen Betreibern der zwar ärmlichen, aber doch fantasiereichen Nachtstationen nachgesagt. Wo sich heute das Schwabenzentrum als ungeliebter Klotz viel zu nüchtern und zu langweilig ausbreitet, erblühte bis zum Abriss der Verschläge in den 1970ern neben Strip und Nepp auch das, was man heute Subkultur nennt.

Barchefs, die was auf sich hielten, trugen Fliege zum Smoking. Diesen Edelmännern reicht eine halbe Welt. Das Geschäft der Halbwelt ist die Illusion. Für ihre „Se-Revue“ warben sie in Schaukästen mit Fotos von Damen in Plüsch, die uns heute vorkommen, als stammten sie aus Opas züchtigen Fantasien. Eindringlich warnten in dieser Zeit die Väter ihre Töchter davor, auch nur einen Fuß in diese gefürchteten und angeblich so sündigen Straßen zu setzen. Dies hat dazu geführt, dass dieses Viertel selbst bei denen, die sich damals niemals hineintrauten, in geheimnisvoller Erinnerung geblieben ist.

Kann Stuttgart so verrucht sein? Die Stadt der besungenen Häuslebauer und des Schwabenfleißes hatte ihre andere, sagen wir nicht so stabile Kehrseite. Noch heute erzählte man sich von dem armen Zecher, der sich zur späten Stunde an die Außenwand einer vom roten Licht beschienen Pariser Bar lehnte. Dort übermannte ihn die Müdigkeit. In dieser Nacht soll es heftig geregnet haben. Die Wand der Baracke sei irgendwann so aufgeweicht gewesen, dass sie plötzlich nachgab – und der schlafende Zecher rücklings in die Bar hineinplumpste. So schnell kam man in den Hüttenwerken mit dem Kopf durch die Wand.

Ende der 1950er gibt es in Stuttgart keine Partymeile Theo-Heuss – es gibt nicht mal die Theodor-Heuss-Straße, die erst seit 1963 nach dem Tode des Altbundespräsidenten Heuss so heißt.. Die „Szene“, wie man heute sagen würde, trifft sich zwischen „Erotik mit netter Unterhaltung“ und der „Roten Mühle“ nach Pigalle-Vorbild in jenem Areal zwischen Eberhardstraße und Hauptstätterstraße,  das sich nach den Kriegszerstörungen den Ruf des „Sündenbabels von Stuttgart“ erwirbt. Die Nesenbachstraße war damals noch deutlich länger, benannt nach dem Bach, den man unter der Erde versteckt hat.

Das „Städtle“ wie unser Kleinst-Kiez genannt wrid, hat zu dieser Zeit fast noch Frankfurter Ausmaße. Arnulf Klett, Stuttgarts erster Oberbürgermeister nach dem Krieg, war es, dem Viertel die Spannplatten und roten Lichter mitten in der City den einprägsamen Namen Vereinigte Hüttenwerke verliehen hat.

Von unterirdischen Gängen und Zehnerkarten

tl_files/Galerien/sonstiges/3FarbenCDU.jpgWeil sich das sprichwörtlich uralte Gewerbe in den Kriegsruinen der City gar zu dreist ausbreitet, sinnt der Gemeinderat auf Abhilfe (damals erfolgreicher wie heute).

1957 öffnet das Dreifarbenhaus mit 71 Huren.

Aufgrund der Nähe zum Rathaus wird von einem unterirdischen Gang zwischen Amtsstuben und Bordell gemunkelt.

 

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Links:

1977 StZ: Als AC/DC noch im Siegle strippte

1965 - 1970  Erinnerungen von Paul Heinzelmann

1960 - 1965 StZ: US-Gitarren peitschen nachts durchs "Städtle"

nach 1945   StZ: Das Rotlichtviertel in der Nachkriegszeit