Thekengespräche

Wenn Noam Chomsky durchs Leonhardsviertel ginge, hätte er sicher Spaß an der Sprache, die da gesprochen wird (oder gesprochen wurde).
Es ist eine Art proletarische Umgangssprache, mit multi-ethnischen Wurzeln, alemannisch, Romani, jiddisch, wie sie nur im Leonhardsviertel und im Stuttgarter Osten üblich ist oder war.
Hier einige Wortbeispiele:

dr fatzeglatte Bua vom Städtle - gutangezogener junger Mann mit erotischem Charm Schmier - Polizei Lobe - Geld schicker - beschwipst Bär - intimer, weiblicher Körperteil Dinelo - irrer Typ, Depp alles latscho - alles schön, super fez machen - auf den Putz hauen, party machen, heimatloser Heckenbronzer - Obdachloser, Entwurzelter Haipfler - Zuhälter, Bettwäschevertreter sein Stück - seine Freundin Schickse - abwertend Geliebte Larry - minderwertige Ware refugees welcome - Flüchtende willkommen.

Lesen Sie hier Thekengespräche und Geschichten aus dem Leonhardsviertel mit seinen Menschen, Bars und Skurilitäten. 

Sie haben eine Geschichte von früher oder heute, welche Sie unbedingt loswerden wollen. Dann schreiben Sie uns an info@staedtle.de.

Lesergeschichten

von admin

Thekengespräche - ALS ICH STEILWANDFAHRER AUF DEM CANSTATTER WASEN WAR… oder bring uns noch ne Runde Caipirinha

Von Pauli h.

10.03.2017

…also. Wie gesagt, das Jobcenter hat mir diesen Auslieferungsfahrer-Job zugewiesen, unter Androhung von Sanktionen übrigens, ja und  mein Kumpel, Manni Bongartz, der ehemaliger cover-Musiker und Kiosk-Koch, ist mein Beifahrer und Helfer fürs Anpacken und auch fürs Schriftliche. Auslieferungsfahrer, mein Freund, das ist kein leichter Job. Wer das Verkehrsaufkommen in Stuttgart kennt, weiß wovon ich rede, das ist kein Zuckerschlecken, parken in der zweiten Spur oder im Halteverbot provoziert robuste Reaktionen. ….gut die meisten Leute freuen sich, wenn man was Schönes bringt, aber Trinkgeld ist eher selten. Naja, wer die Schwaben kennt, bin ja selbst einer, d.h. Stuttgarter und zwar vom Ostendplatz, Völker hört die Signale….so in der Art.

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von admin

...unter Leo´s Dächern …

 von jonny b.

 

Manni Bongartz war ein netter und einfacher Typ, der als Auslieferungsfahrer bei einer kleinen Spedition  im Industriegebiet-Süd jobbte. Am Wochende spielte er Gitarre bei einer Punk-Band, die häufig im“ Exil „ oder im „Wildparkstüble“ auftrat. Dabei begleitete ihn seine Freundin Angela-Angelina, die eine Schönheit war: dunkelbraune Dreadlocks , St. Pauli-Trikot, indymedia linksunten, so in dem Stil .Sie hatten wenig Lobe, wohnten in einer kleinen Dachbude in der Rosenstrasse:  Zimmer mit Kochnische ,schmales Bett,  alter Pioneer-Fernseher , Außenklo eine Treppe tiefer, aber sie  kamen gut zurecht. So ging das beinahe 1 Jahr. Angela war Änderungs- Näherin in einem großen Kaufhaus und ein echter Blickfang, sie  bekam viele Einladungen und Avancen von Damen und Herren. Ihr "scharfer Unterschichts-Charm mit dem" heißen Blick" kam gut an.  Ein Fotograf offerierte ihr  eines Tages Probeaufnahmen für ein bekanntes Modejournal  und sie bekam sogar einen Arbeitsvertrag mit Tageshonorar und das war für ihre Verhältnisse eine ganze Menge. Ja, sie war jetzt Foto-Model und ein richtiger Star. Zu den “shootings“ wurde sie mit einem SUV Audi Q 5 abgeholt und sie blieb lange Stunden weg , oft bis spät in der Nacht.

 Manni spürte, daß ihm Angela entglitt und er wollte sie halten, wußte aber nicht wie. Auch sein Kumpel,  Horstle  Below,  dem er sich anvertraute, konnte ihm da nicht helfen.

 Manni trank zu viel, randalierte im Viertel . Es gab Zoff und  Klopperei und er wurde aktenkundig bei der Polizei.. . in einem angetörnten Moment  faßte er dann den fatalen  Entschluß, er „mußte zu Geld kommen“...Amsterdam! Horstle  versuchte alles, ihn abzuhalten ,  aber  vergeblich, und so nahmen die Dinge ihren Lauf:

Auf der Rückfahrt  geriet er in Venlo an der holländischen Grenze mit seinem Ford Transit in eine Verkehrskontrolle  und wurde  mit 2  Kilo  Hanf hops genommen. . Am Landesgericht in der Urbanstrasse verknackte man ihn zu 1 Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung, Begründung:  /keine geringe Menge/hoher Wirkstoffgehalt,  illegale Handelsabsicht/. Endstation  JVA Stammheim , 7 Stock!!! Das wars dann…oder doch nicht?

 Es gab einen Besuchertermin und da stand sie dann plötzlich wie ein Wunder: Angelina mit  Horstle Below im Schlepptau. Angela im St. Pauli-Trikot, kurze weiße Lederjacke, Minirock, Stiefeletten von Alberto Fasciani,  Laura -Duft : „Hallo Manni, denk nur nicht,  ich hätte dich vergessen, du wirst hier wieder rauskommen  und  ich werde dann  da sein vor dem Tor am Knast und auf dich warten. Versprochen“!

von Kappler | staedtle.de

Tresengespräche: "…hättet sie was Gscheites glernt …."

aus der Reihe working-class-heroes vom Ostendplatz von pauli heinzelmann

Meine Betreuerin im Job-Center schielte krätzig über ihre getönte Lesebrille:

"Also mit Hartz 4 läuft nix." Ihre schmalen Lippen verzogen sich zu einem höhnischen, beinahe mitleidigen Grinsen. "Hätten Sie was Gscheites gelernt,  dann bräuchten sie jetzt nicht" bitte" sagen. Sie sind zwar schon weit in der zweiten Lebenshälfte , praktisch unvermittelbar,  aber ein job als Auslieferungsfahrer kann ich ihne gut zumuten. Da sind sie weg von der Straße, kommet unter d´ Leut´und  lange Arme haben sie auch, also..."

So begann ich meine Karriere als Auslieferungsfahrer für Feinkostprodukte (Essen auf Räder,Premium-Klasse,  in der Art) mit Sprinter, für eine Firma am Flughafen Echterdingen. Pauschallohn, egal wie lange du fährst, Überstunden werden nicht bezahlt, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, macht übern Daumen knapp 1.000 Euro netto. Das wars.  Um Anfangs-Stress abzufedern nahm ich meinen Kumpel Manni  als Helfer mit, auch ein lebenslanger Hilfsarbeiter, Niedriglöhner und Prekärer, genau wie ich, der sich mit obskuren jobs als Möbler, Cover-Musiker, Kiosk-Koch und Bierzapfer durchs Leben gebracht hat - aber das ist eine andere Geschichte.

Letzte Anlaufstelle der Tagestour: Stuttgart-Herdweg, Halbhöhenlage.

Es war schon beinahe dunkel, als wir vor der Altbauvilla am Herdweg den   der Kies-Auffahrt zum Stehen brachten.  Sofort leuchteten überall die Bewegungsmelder auf und eine metallene Stimme schnarrte uns an:

".....hier könnet sie net parke, der Parkplatz gehört uns, sehn sie net die Kette mit unserem Autokennzeichen....? außerdem kriegen wir Besuch."

An der Haustür erschien jetzt ein fetter Kerl mit Brilli im Ohr.

Er grinste breit und zeigte mir seine Blendaxreihe implantierter Beißerchen in der Preisklasse eines Kleinwagens. Neben ihm stand eine Blondine im tanktop mit etwas welkem Alters- Sex, Marke Girlie-Spätlese.

"......Ach sie bringet das Catering-Buffet,  ja kommet sie nur rein, unsere Gäste kommen gleich....". Und da stand die Partygesellschaft auch schon gierig an der Tür: ...aber Hallo! Bussi! Bussi!...du ich trinke gleich mal an "Hugo", da wird man immer so luschtig...gibts heut wieder Schwartenmagen ? Einfach super!...eingemachte Kellerstaffel...?...das hab ich jetzt noch nie gehört, aber a heißes Süpple oder Hirn gebacke,...des isch lecker, oder?..Schwarzwurscht in Essig und Öl...da gabs früher immer noch an Nikolaschka hinterher, des war ja so zünftig,,  -  du, i war extra no beim Friseur, schaumal, da gibts "Herz sauer" und" Kutteln mit Röstkartoffel", sowas kriegsch nur hier ..., das kannst du mit diesen normalen Parties gar nicht vergleichen,  endlich mal kein Vivaldi...unter uns... ich bin ja sozial nicht verbittert... aber irgendwie; sag i dir, hat man oft das Gefühl, gleich geht einer mit dem Hut rum und sammelt für die Flüchtling.  Du, ja   Kussi! Bussi! Sims mal!...

Zugegeben, unser Aufbruch war etwas überstürzt, aber es war ja schon weit nach Feierabend und wir hatten es eilig vom Acker zu kommen.

Wir nahmen nicht die Kiesauffahrt sondern entschieden uns für die Abkürzung  quer durch die Blumenrabatte, dumm nur ich hatte zuerst den Rückwärtsgang drin, fand dann krachend Bande an der Veranda, wieder ersten Gang rein und der Sprinter machte einen gewaltigen Satz nach vorne, touchierte ein wenig den weißen,  recycelten Plastikgartenzaun und schoß die Kräherwaldstrasse runter, das Navi ist dir in dieser Situation ja auch keine wirkliche Hilfe.

 Auf dem Rückweg zischten wir beim Brunnenwirt ein frisches Weizen.

Schwefelgelbe, Smog- und Feinstaubwolken verdunkelten den Stuttgarter Kessel. . Die Abendsonne überm Leo leuchtete dunkelrot. Das dieser gottverdammte Blues nie zu Ende geht - es ist zum Heulen.

von Kappler | staedtle.de

zwei, drei Dinge, die ich von Manfred Esser weiß....

von Pauli Heinzelmann

Manchmal , wenn ich am Ostendplatz stehe, denke ich an den Dichter Manfred Esser zurück, der vor 20 Jahren starb. Er streifte oft duch die Bars im Leonhardsviertel, wohnte aber eigentlich im Stuttgarter Osten,  in einer Kammer in der Ostendstrasse. Dort schrieb er auch seinen "Ostendroman", der ihn und Ostheim literarisch berühmt machte.  Dort drehte er auch seine Runden durch die Kneipen, Bars und Weinstuben des Quartiers. Er kannte  alle seine Helden, die Fixer und Stromer/innen vom Pagoden-Klohäuschen, die Arbeiterinnen vom Daimler, Schoko-Tobler oder Schlachthof und die Rentner der Villa Berg. Man traf ihn oft beim Scheibenwirt, Schlampazius oder Volksgarten aber auch in der Friedenau mit dem roten Schneider Fritz Philipp und dem Gerwerkschafter Bergmann, immer auf brennend-heißer Spur, den Geheimnissen des Ostheimer Quartiers hinterher. Er schuf ihnen ein Denkmal wie jenes am "Jünglingsbrunnen" am Teckplatz, wo mit steinernen Buchstaben steht: " Zum Wohle der arbeitenden Klasse." Er konnte auch eigene Gedichte vortragen, nachts um drei im verqualmten Waldheim Gaisburg, ".....Länger als mein Hass war meine Liebste da".....

oder auch Pablo Neruda: "..Nuanca se le olivida, hermosa...."

Manfred Esser - Wikipedia

von Kappler | staedtle.de

Thekengespräche...hasta la vista, baby ...

von Jenny Treppschuh 

...hasta la vista, baby  ...

nur damit das klar ist, ich war auf keinem Selbsterfahrungstrip oder sowas, es ist auch nicht mein Hobby, mich mit der Justiz anzulegen, wer fährt schon gern freiwillig in den Knast ein. Es war eigentlich nur Schlamperei , daß ich meine Knöllchen für falsches Parken nicht bezahlt habe.  Als ich dann auch noch das ganze Mahnverfahren  ignorierte, drohte das Gericht mit  1 Woche Erzwingungshaft -  allerdings, und das erfuhr ich erst später,  ist der Knast nicht optional, nein mein Freund, das Bußgeld musst du trotzdem bezahlen. Also, Haftantritt in  JVA-Schwäbisch Gmünd. Wer nicht erscheint, den holte die Plembe ab. Die wollten mir zeigen, dass sie es ernst meinen. In der Vorladung stand noch genau was ich nicht mitbringen durfte. Keine Kosmetik , Seifen ,Parfums, keine Zeitungen! kein Handy! unter uns, ich bin kein Mädchen, dass mit sowas umgehen kann, aber was soll´s.

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von Kappler | staedtle.de

Tresengespräche beim Scheibenwirt am Ostendplatz

von Rainer (Paul) Heinzelmann

….wenn du stier und schicker bist oder Larry mit der Plembe hast…

In der Art wird oder wurde (oder wird bis heute) im Stuttgarter Osten oder auch im Leonhardsviertel gesprochen.
Emma Melle Widmer, die frühere Besitzerin vom heutigen “Fröhlich”
beherrschte das Idiom noch perfekt.
“…wenn der fatzeglatte Bua vom Städtle mit seim Mädle uff dr Waggel geht….”
Jeder der Verwandtschaft auf dem “Land” hat, kennt ja die verschienen Variationen des schwäbischen Idioms. Grob gesagt ist da das ländlich-bäuerlich, derbe, wortarme Schwäbisch. Dann das völkisch gefärbte Schwäbisch des August Lämmle (wie es in den Schulbüchern steht), dann das Stuttgarter Honoratioren-Schwäbisch der Halbhöhenlage und dann der slang des Stuttgarter Ostens und des Leonhardviertels: ein multi-ethnischer Großstadt- Sprachmix aus alemannisch/jiddisch/romani – alles latscho!

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von admin

Tresengespräche... ...ein schönes Mädchen wie ich...Teil 2

von Jenny Treppschuh

"....ehrlich, ich bin keine Zickenkuh, aber schon im Erziehungsheim in der Olgastrasse war ich weit und breit das hübscheste Mädchen: langes blondes Haar, blaue Augen, tanktop, weiße Stiefel , ganz süß - nur die eine Frage hat sich mir nie erschlossen, warum sich nüchterne, praktisch- veranlagte Männer in testosteron-gesteuerte Pudel verwandeln, wenn ich das Zimmer betrete. Wahrscheinlich denken sie, das kleine Dummerle ist ein leichter Fick - doch da haben sie sich leider in mir getäuscht.

Mein erster Mann war ...

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