Leonhardsplatz

1564 entstand im Bereich der heutigen Lazarettstraße, also in der Nähe des Siechenhauses, der Lazarettfriedhof. Weil er in unmittelbarer Nähe der Hinrichtungsstätte (Hauptstatt "Käs" auf dem heutigen Wilhelmsplatz) lag, hatte er einen abgeteilten so genannten Armsünderfriedhof, auf dem Hingerichtete und Selbstmörder beigesetzt wurden. Nach dem herzoglichen Rescript von 1582 durften diese Personen nicht mehr außerhalb der Friedhöfe begraben werden.

1799 wurde der Friedhof geschlossen, einige Jahre später eingeebnet und als Straßenfläche hergerichtet (ab 1811 Leonhardsplatz).

1823 wurde dort das Kornhaus gebaut, dem später eine Halle zum Wiegen und Unterstellen der Botenwagen angebaut wurde.

Auf dem Leonhardsplatz fand bis 1910 der Krempelesmarkt (Krautmarkt), eine Art Flohmarkt statt. Die Marktbuden waren an die Friedhofsmauern gebaut. Auf Gelegenheitsarbeiten warteten am Leonhardsplatz stets die Tagelöhner, die vom Bürgertum der Stadt abfällig "Leonhardssträppler" oder "Leonhardsschlamper" genannt wurden.

Zum Markt gehörten auch die sogenannten "Boten". Das waren wetter- und trinkfeste Männder, die morgens mit Planwagen, beladen mit dörflichen Erzeugnissen von den Fildern herabkamen. Der bunte Marktbetrieb verschwand, als die Botenhalle für den Bau des Gustav-Siegle-Hauses weichen musste.

Ab 1910 wurde auf dem Leonhardsplatz von Theodor Fischer das Gustav-Siegle-Haus im romantischen Stil gebaut. Beim Ausschachten der Baugrube stellte sich heraus, dass das Gelände ein ehemaliger Friedhof war. Die feierliche Einweihung des repräsentativen Gebäudes am Leonhardsplatz 28 war am 6. Oktober 1912.

Stuttgart Album: So schön war der Leonhardsplatz einmal - von Uwe Bogen am 12. Februar 2016